Jelly hatte in den letzten Tagen mehrfach versucht Kontakt mit Fynn aufzunehmen, allerdings ohne Erfolg. Das Datenpad zeigte keine neuen Nachrichten und auch private Convos wurden von der Gegenseite nicht angenommen. Die Ganze Situation war vollkommen unbefriedigend für Jelly, weshalb sie beschloss, bis auf Weiteres erst einmal nicht in den Amarr-Raum zu fliegen, um nach diesem Triard zu suchen. Ihr Wallet erinnerte sie stark an den unendlichen Raum, was wohl mit der “gähnenden Leere des Raumes” am besten umschrieben werden konnte, sie beschloss deshalb erstmals an einer der nächsten Stationen anzudocken, um sich nach etwas Arbeit umzusehen, bevor sie sich weiter um die Probleme anderer kümmern konnte. Da Sie jedoch wegen des Zwischenfalls in Ryddinjorn erst einmal keine Probleme mit Concord oder sonstigem Sicherheitspersonal mehr gebrauchen konnte, suchte sie sich etwas abseits der normalen Flugrouten in Finanar auf der Station der Minmatar Mining Corporation Mineral Reserve an Mond 2 eine neue Bleibe. Im Gegensatz zu der Station in Ryddinjorn war die Station hier relativ neu und die Quartiere der Kapselpiloten jeweils direkt mit einem eigenen Andockplatz im Raum-Dock ausgestattet. So hatte man immer sein eigenes Schiff als Ausblick und fällige Wartungsarbeiten konnten hier jederzeit selbst gemacht werden, ohne jedes Mal das Schiff in ein Reparaturdock schleppen lassen zu müssen. Jelly genoss den großartigen Panoramaausblick von ihrem geräumigen Quartier aus, auf ihre Fregatte, die nur ein paar Meter vor dem Fenster im Raum-Dock schwebte.
Die Gefahr hier aufzufallen war ehr gering, da hier meist nur schweigsame Miner auf der Station unterwegs waren und der lange Arm des Gesetzes sich hier auch schon mal einfach in den langen Gängen der Station verlaufen konnte. In einer der Spielhöllen im oberen Sektor fand sie zum Glück auch noch einen Job an der Bar, wobei ihr der Umstand half, dass sie so etwas auch schon vor ihrer Zeit an der Akademie in ihrem Heimatsystem gemacht hatte. Durch die üppigen Trinkgeldern ging es ihrem Wallet glücklicherweise schnell wieder ein wenig besser, so dass sie bereits ein paar Tage später eine gebrauchte Thrasher für eine Handvoll ISK auf dem Schiffsmarkt der Station erwerben konnte. In den Lagerbeständen des Händlers fand sich dazu auch noch ein passendes Fitting für den rostigen Zerstörer. Als Jelly jedoch zum ersten Mal ihr neues Schiff betrat, rannte sie gleich wieder aus der Ausstiegsluke. Aus dem Luk quoll eine unsichtbare Duftwolke, die stark nach Erbrochenem und Fäkalien stank, und selbst den anwesenden Stationsmechanikern trieb es die Tränen in die Augen. Erst mit einer Atemmaske bewaffnet, konnte Jelly sich dann dem Ursprung nähern, im Frachtraum stand noch eine aufgebrochene Ladung verwesender Nahrungsteile, die der letzte Besitzer wohl hier als Andenken zurück gelassen hatte, und sich mittlerweile zu einem giftpilzüberzogenen Berg voller dicker Maden gemausert hatte, die sich schmatzend in ihrem Schlaraffenland wälzten. Es kostete sie fast ihre letzten ISK, das Reinigungsteam der Station zu bezahlen um die Schweinerei im Schiff zu entfernen, denn es half nichts, der Gestank musste erst einmal aus dem Schiff. Vorher war an eine Reparatur geschweige denn an einen Flug mit diesem heruntergekommenen Seelenverkäufer nicht zu denken. Drei Tage später konnte sie dann endlich damit beginnen die Anbaumodule und Waffentürme auf dem Schiff zu installieren, was auch nochmals einen Tag dauerte, denn Jelly musste feststellen, dass der Haufen Schrott, eine Unmenge an zerschlissenen Kabeln und durchgeschmorten Leiterplatinen beherbergte. Das ganze Schiff schien eigentlich nur aus zusammengeschweißtem Raumschrott und losem Draht zu bestehen, Jelly war sich sicher, dass wenn diese Kiste es jemals wieder selbständig in den interstellaren Raum schaffen sollte, dann nur weil sie es vorher geschafft hatte den rostigen Antrieb mit viel Tape am Chassis fest zu kleben. So zogen sich die Instandsetzungsarbeiten schleppend dahin, war ein Problem behoben, stellte Jelly zwei neue fest. Eines Morgens wollte sie die Innenbeleuchtung im Laderaum anschalten, um etwas aus ihrem Werkzeug zu suchen, aber stattdessen öffnete sich die untere Ladeluke und der Unterdruck saugte Jelly um ein Haar fast aus dem Schiff. Laut fluchend und völlig außer Atem schaffte sie es geistesgegenwärtig noch die Notverriegelung zu betätigen, bevor sie unsanft auf den Decksboden landete.
Nach den vielen Arbeiten am Schiff und der Anstellung an den Spieltischen ging Jelly öfters mal in eine der kleineren Bars auf der Station um sich den Frust von der Seele zu trinken. Bei einem dieser Ausflüge lernte sie dann einen älteren hageren Brutor kennen, mit dem sie oft stundenlang an der Theke saß und über Module, Bauteile und Schiffserweiterungen diskutierte. Er schien wirklich viel zu wissen, und insgeheim war Jelly froh jemanden getroffen zu haben, der ihr viele Tricks und Kniffe erklärte, die man so an der Akademie einfach nicht lernen konnte. Außerdem war es schön nicht ganz alleine zu sein, denn bisher hatte sie weder Fynn noch Muan erreichen können, und eines war klar, ohne Hilfe würde sie im Moment keinen Schritt weiter kommen. Jelly hatte keine Ahnung woher der Hagere oder sein pelziges Tierchen kamen, das er immer dabei hatte, und mit dem Jelly dann öfter spielte, aber der Dialekt des Hageren war angenehm und lustig zugleich. Durch die Tipps des Hageren schaffte sie es langsam die Thrasher irgendwie wieder flott zu bekommen. Bis auf ein paar sekundäre Bauteile funktionierte wieder alles an Bord und Jelly freute sich, als sie mit ihrem Zerstörer von der Station zum ersten Testflug abdocken konnte. Die Thrasher war fast genauso schnell wie ihre Fregatte allerdings war sie mit 7x 250mm Light Gallium I Cannon ausgestattet, die in den bevorstehenden Missionen bestimmt gute Dienste leisten würden. Das ganze Fitting hatte zwar nicht einmal das Prädikat “Low-Tech” verdient, aber für die anstehenden Aufgaben gegen die wendigen Fregatten der Angel-Piraten in diesem Sektor, würde es bestimmt ausreichen. Als sie nach diesem ersten Testflug wieder in ihr Kapitänsquartier kam, summte es bereits an der Tür. Der Hagere stand im Gang und sah sie etwas einsilbig an “hast Du kurz eine Minute Zeit?”, sie wies ihn zur der kleinen Bar, die seitlich im Raum angebracht war. “Wo drückt der Schuh?”, fragte Jelly während sie ihm ein Glas Quafe eingoss. “Ich habe leider wenig Zeit, da ich für einen Auftrag dringend noch in das Nullsec muss, und nicht weis wann ich wieder zurück sein werde. Jelly hob die Augenbrauen, “Null-Sec…” wiederholte Jelly, das war für sie immer noch etwas, dass bei ihr einen Schauder hervor rief. “Hört sich ja richtig gefährlich an!”. Der Hagere lächelte, “Naja, es ist halt kein Kinderspielplatz dort, aber auch kein Raum für Gesetzlose, so wie die Low-Sectoren. Es wird schon nicht ganz so gefährlich werden, denke ich. Außerdem werde ich einen Clone-Jump machen, damit spare ich mir die tagelange Reise dorthin!”. Jelly blickte ihn an und nickte abwesend, “Raus mit der Sprache, was kann ich für Dich tun?”. Der Hagere fingerte in seiner Manteltasche und zog schließlich den kleinen Nager heraus “Bitte nimm ihn, solange ich nicht hier sein kann, alleine würde er hier nur verenden!”, damit reichte er ihr das pelzige Etwas herüber und legte es ihr auf die Hand. Jelly stutzte, als das kleine Tierchen an ihrem Arm hinauflief und hinter ihrem Nacken verschwand, um dann auf der anderen Seite auf der Schulter sitzen zu bleiben. Jelly grinste, als sie das Tierchen beobachtete, wie es scheinbar Stolz von dort oben seine Umgebung prüfte. “Ich hatte noch nie so ein Tier, ich weiß nicht einmal was es ist, geschweige denn seinen Namen”, wand sie sich wieder dem Hageren zu. “Das macht nichts, glaub mir, sie ist total zutraulich, allerdings verteidigt sie ihr Territorium gegen jeden, auch wenn das meist mehr lustig als gefährlich aussieht, ach und sie heißt Devil, zumindest habe ich sie so genannt!”, Jelly stutzte und schaute den Hageren an “Woher weißt du dass es, also sie ein Weibchen ist?”, der Hagere wurde etwas verlegen “Naja, sie hat halt da unten nichts, also so was, du weißt schon, so ein Ding halt…, zumindest hab ich das noch nicht gesehen, deshalb!”, beide grinsten “Ja, ich glaube ich weiß was du meinst, aber wo wir gerade bei den Namen sein, ich kenne dich zwar nun schon ein paar Tage, aber weiß bis heute noch immer nicht wie Du heißt!” Der Hagere hob etwas erstaunt die Augenbrauen, und erhob sich umgehend, “…entschuldige, ich dachte du wüsstest wer ich bin, mein Name ist Darwi!” Darwi deutet eine Verbeugung an, und Jelly musste lachen, “so Förmlich hätte es nun auch wieder nicht sein müssen…”, Darwi wirkte jetzt etwas verlegen und kratze sich, “Naja, ich hatte halt auch keine gute Kinderstube”, Jelly nickte, denn solche Schicksale waren unter den Minmatar keine Seltenheit, sondern schon fast die Regel. “Ich freue mich trotzdem dich kennen zu lernen Darwi, und natürlich werde ich auf deinen Devil aufpassen, solange du nicht da bist…!”. Darwi lächelte “Danke, sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen, aber ich hab das Gefühl, dass ihr beide euch prächtig verstehen werdet!”, Darwi leerte das Glas Quafe in einem Zug und verabschiedete sich dann von Devil und Jelly. Als sich kurze Zeit später die Tür hinter ihm schloss, fiepte Devil leise auf Jellys Schulter und Jelly schaute gedankenversunken auf ihren rostigen Zerstörer, nun war sie also wieder alleine, schon wieder. Irgendwie schien es ihr fast so, als wenn Kapselpiloten und Freundschaften, nicht zusammen passten…
Fortsetzung folgt…